Heimat Ortenau

Ausgabe 5 2015

Heimat Ortenau


Thomas & Andrew –

DIE MÄNNER VOM MOOSBACHHOF

HÜHNER HINTERM HAUS, BIENEN IM STOCK UND TOMATEN VOR DER TERRASSE: BEI THOMAS UND ANDREW HUBER SIND GARTENFREUNDE WIE GOURMETS GOLDRICHTIG


TEXT: ULF TIETGE · FOTOS: DIMITRI DELL


Von Thomas und Andrew Huber kann man mehr als eine gute Story erzählen. Man könnte von ihrer Liebesgeschichte berichten, vom Versteckspiel und der Zeit in Saudi-Arabien, wo Thomas für die erzkonservative Königsfamilie das Waldorf Astoria in Jedda leitete, dessen exklusivste Suite 1000 Quadratmeter maß … Oder man berichtet vom Neuanfang der beiden nach ihrer Zeit mit den grünen Tomaten in Southampton und der Übernahme einer reichlich heruntergekommenen Pension irgendwo tief im Schwarzwald. Irgendwo stimmt indes nicht ganz. Wir blicken von der Terrasse des neuen Gasthofs Moosbach aufs Nordrachtal herab, linkerhand ragt der Mooskopf 975 Meter weit in den Himmel. Früher verbarg sich hier Hoferers Waldpension vorm Rest der Welt. Achtzehnhundertirgendwann erbaut, 1924 erweitert und 2014 nur noch etwas für Liebhaber. Oder eben für Andrew und Thomas.

Die beiden haben ihre vier Zimmer „aufs Niveau eines Fünf-Sterne-Gasthofs“ gebracht, haben die Gaststube entrümpelt und neu eingerichtet, das Haus in Schuss gebracht, sich die goldene Kundenkarte im Baumarkt verdient und draußen den vielleicht englischsten Garten Badens im Cottage-Stil angelegt. „Ich habe Rittersporn nicht wie in Deutschland üblich in 4 Farben, sondern in 70“, sagt Andrew stolz und verpasst uns eine Kurzführung durch sein Reich. Kaktusdahlien, Lupinen, Rosen und unzählige Tomaten in Kübeln und Töpfen – längst handelt Andrew mit Ablegern, und doch gelingt es einigen Gästen immer noch, ihm eine Blume mitzubringen, die noch fehlt.

Hinterm Garten arbeiten die Bienen. Die Hubers machen ihren eigenen Honig, sie halten Enten und Gänse, deren Eier sie fürs Frühstück verwenden, und sie nutzen das alte Brennrecht. Aus den Apfelbäumen ringsum machen sie Most, es gibt Schorle vom hausgemachten Johannisbeersaft und natürlich eine reiche Auswahl selbstgemachter Marmeladen und Chutneys. Das Ganze nicht nach der Art schrulliger Eigenbrötler, sondern so gut, wie es Thomas in den Küchen seiner Karriere immer vorausgesetzt hat: Der Mann hat im Bareiss gelernt, war für internationale Sterne-Restaurants tätig und hat sich nach der Zeit im Waldorf Astoria seinen Jugendtraum erfüllt. „Nein, er spricht nicht von mir“, sagt Andrew. „Die Idee mit dem eigenen Haus hat er schon ewig und seine Heimat hat er immer vermisst. Egal, wo wir waren.“ Nebenbei macht er sich hinter der Theke nützlich, kredenzt einen Pimm’s, einen Harvey Wallbanger und einen Kir Moosbach. Thomas wirbelt derweil in seiner winzigen Küche. Statt Wurstsalat mit Brägele zaubert er ein zweifach gebackenes Ziegenkäsesoufflé auf Apfel-Blattsalaten, richtet Sushi von der Schwarzwaldforelle, bringt auf den Punkt gebratene Rehmedaillons (von Nordracher Jägern) mit Pfifferlingen vom Vormittag und heißes Schoko-Fondant mit Vanilleeis. Nebenan gibt es Scoops und Cones, ein geniales Club-Sandwich mit medium gebratenem Angusrind und gebackenem Knoblauch, dann eigene Brownies und Petit Fours zum Abschluss. Wow!

„Wir sind zufrieden“, sagt Thomas nach seinem Parforce-Ritt durch die Speisekarte. „Wir haben einige Firmen, die authentisches Schwarzwald-Flair suchen, aber gleichzeitig internationale Standards erwarten und sich freuen, dass wir vernünftig Englisch sprechen.“ Zu Silvester ist der Gasthof besonders gefragt – und Thomas wagt sich an einen Abend voller Höchstschwierigkeiten. Sieben Gänge hat er geplant. 30 Personen sind angemeldet – mehr als doppelt so viele wollten den Jahreswechsel oben in Nordrach feiern. Keine Angst vor Schnee? „Ach was“, sagt Andrew. „Nordrachs Schneepflugfahrer sind die besten der Welt. Keine 20 Minuten nach dem Schnee ist die Straße auch schon geräumt.“

Vom zeitigen Frühjahr bis in den November kommen an Wochenenden die Wanderer – gezielt aus Offenburg oder dem Renchtal. Auf seiner Website stellt Informatiker Andrew daher Touren für Wanderer vor: Von einer bis sechs Stunden ist alles dabei.

„Der Schwarzwald ist ein Blueprint für den ganzen Planeten“, sagt Andrew plötzlich und schaut ungeachtet des deutsch-englischen Kauderwelschs bierernst drein. „Bei uns ist alles, wie es sein soll. No poison. Wir spritzen nicht, wir arbeiten nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Und wir nehmen uns die Zeit für einfach gute Dinge, ich mein’: Das ist doch Schwarzwald-Attitude, oder?“

Wenn, dann schmeckt es herrlich. Natürlich könnten die Feigen mehr Früchte tragen und hier oben mehr Sonne bekommen. Auch die Bananen und Olivenbäume sind auf 600 Metern über dem Meer eher Zier- als Nutzpflanzen. Andererseits ist Thomas’ und Andrews Chutney von grünen Tomaten auch aus der Not geboren und erinnert an die Zeit in Southampton. „Englischer Sommer“, sagt Thomas. „Die Tomaten wurden einfach nicht reif.“

Zubereitung: Alle Zutaten unter Rühren erwärmen, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Dann für etwa anderthalb Stunden leicht köcheln lassen, bis die Mixtur eingedickt ist. Das Ganze in vorher abgekochte Gläser füllen und abkühlen lassen. → Das Chutney ist danach gut ein Jahr haltbar.

„Aber sie wegzuschmeißen, hab ich dann auch nicht übers Herz gebracht.“

Apropos Herz. Man könnte den Füchsen und Mardern, den Habichten und Bussarden rabiat zu Leibe rücken, die sich regelmäßig eins der Hühner holen. Thomas und Andrew dagegen haben einen Stall gebaut und bitten ihr Federvieh jeden Abend zur Nachtruhe. Der Aufwand lohnt sich: Die 45 Schwarzkopfmaränen legen vielleicht weniger Eier als ihre Akkordartgenossen in großen Legebatterien – dafür ist die Qualität aber auch eine andere. „Wenn du die Hühnereier magst, solltest du auch die pochierten Gänseeier versuchen“, sagt Thomas und nimmt mich mit in seine Küche. Es gibt eine Fortsetzung des kleinen Festmahls von vorhin. Was für ein herrlicher Tag!

 

Ein englischer Garten im Schwarzwald: Andrew ist mit seinem grünen Daumen so erfolgreich, dass manche Leute nur wegen seines Rittersporns nach Nordrach fahren …

 

 

 

Grünes Tomaten-Chutney

Zutaten:

  • 1 kg grüne Tomaten
  • 240 g Zwiebeln
  • 400 g Äpfel
  • 150 g brauner Zucker
  • 240 g Rosinen
  • 11 Weinessig, braun
  • 1,5 TL Senfpulver
  • 1 TL Zimt, gemahlen
  • ¼ TL Nelken, gemahlen
  • ¼ TL Cayennepfeffer

Vorbereitung: Die grünen Tomaten und Zwiebeln grob würfeln, die Äpfel in Scheiben schneiden.


Homemade

Thomas und Andrew Huber setzen mit ihrem Moosbachhof recht konsequent auf Nova-Regio-Küche. Eier, Honig, Säfte, Kräuter und Salat, Marmeladen und Chutneys sind hausgemacht. Mit ein bisschen Glück darf man ein paar der großen Gänseeier auch mit nach Hause nehmen. Mehr zum Gasthof Moosbach unter moosbach-schwarzwald.com

Hier sind die Rollen klar verteilt: Thomas steht in der Küche des gemeinsamen Gasthofs Moosbach – Andrew kümmert sich derweil um den Garten, die Website und mixt den einen oder anderen Drink …