Mein Ländle

Mai / Juni 2026

Schäbische Zeitung

GartenLändle


Englische Träume

Ein Gartenjuwel im Badner Land

 

Text: Uli Weissbrot  Fotos: Jürgen Schwitzkowski


Versteckt am Hang zwischen Nordrach im Kinzigtal und der Kornebene liegt ein Ort, der Besucher ins Schwärmen bringt: The Moosbach Garden. Über 900 Duftrosen, kunstvoll terrassierte Gartenräume und ein kleines Hotel mit nur vier Zimmern machen das Ensemble zu einem der bezauberndsten Geheimtipps im Ländle.


Die Geschichte dieses versteckten Juwels ist eng mit dem Lebensweg seiner Schöpfer verknüpft. Thomas Huber, einen gebürtigen Oberkircher, zog es früh hinaus in die Welt. In Großbritannien machte er Karriere in der gehobenen Hotellerie und leitete als Direktor renommierte 4-SterneHäuser. Dort lernte er nicht nur die Kunst der perfekten Gastlichkeit kennen, sondern auch seinen Partner Andrew. Der IT-Fachmann brachte eine Passion mit in die Beziehung, die heute das Fundament des Moosbach Gardens bildet: die tiefe, fast schon spirituelle Liebe zur englischen Gartenkultur.

Als das Paar vor Jahren das Anwesen in Nordrach erwarb, war die Vision noch eine andere. Das Gebäude war als lokale Wandergaststätte bekannt, ein klassischer Einkehrort für Ausflügler. Thomas und Andrew versuchten anfangs sogar, diesen Betrieb fortzuführen. Doch schnell spürten sie, dass ihre wahre Berufung woanders lag. Sie wollten keinen Massenbetrieb, sondern ein exklusives, individuelles Erlebnis schaffen. Aus der Gaststätte wurde ein „Chambre d'Hôtes" - ein Konzept, das die Intimität eines Privathauses mit dem Service eines Luxushotels verbindet.


Englische Gartenkunst am Schwarzwaldhang

Der eigentliche Zauber des Moosbach Garden entfaltet sich naturgemäß im Außenbereich. Das Grundstück liegt größtenteils am Hang - steil, herausfordernd, aber voller Möglichkeiten. Statt das Gelände zu nivellieren, arbeiteten Thomas und Andrew mit der Topografie. Inspiriert von englischen Landschaftsgärten schufen sie eine Abfolge von Gartenräumen, die sich wie Kapitel eines Buches erschließen.

Trockenmauern aus Naturstein fangen die Höhenunterschiede ab, schmale Kieswege und Pfade schlängeln sich zwischen den Terrassen hindurch, immer wieder öffnen sich überraschende Blickachsen ins Tal. Jede Ebene besitzt ihren eigenen Charakter: mal intim und geschützt, mal weit und lichtdurchflutet.

Herzstück ist zweifellos der Rosengarten. Über 900 Duftrosen wachsen hier historische Sorten, englische Züchtungen, Kletter- und Strauchrosen. Ihre Blüten reichen von zartem Creme über warmes Apricot bis zu tiefem Karminrot. Im Frühsommer liegt ein schwerer, süßer Duft über dem Hang, der Besucher unweigerlich langsamer werden lässt. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sorgen für ein lebendiges Summen, das wie eine leise Begleitmusik wirkt.

Doch der Rosengarten ist nur ein Teil des Gesamtkunstwerks. Staudenbeete mit Rittersporn, Lupinen, Salbei, Frauenmantel und Katzenminze strukturieren die Flächen. Hortensienbälle leuchten im Halbschatten, Fingerhut setzt vertikale Akzente, Phlox und Astern verlängern die Blüte bis in den Spätsommer. Alte Apfel- und Kirschbäume spenden Schatten, während Ziergräser wie Lampenputzergras und Chinaschilf im Wind schwingen. Lavendel säumt Wege, Clematis ranken an Pergolen, und selbst seltene Gehölze finden hier ihren Platz.


Leidenschaft, die Wurzeln schlägt

Was den Moosbach Garden so authentisch macht, ist die Tatsache, dass hier fast alles „handgemacht" ist. Die Besitzer sind keine bloßen Verwalter eines Idylls; sie sind leidenschaftliche Gärtner. In ihren Gewächshäusern ziehen sie reihenweise Blühpflanzen und seltene Stauden selbst heran. Für Gartenenthusiasten gibt es zudem ein besonderes Schmankerl: Wer sich in eine Pflanze verliebt hat, kann oft ein Stück dieses Paradieses mit nach Hause nehmen, da Thomas und Andrew einen Teil ihrer selbst gezogenen Schätze an interessierte Besucher verkaufen. Es ist dieser direkte Austausch, diese Fachsimpelei unter Pflanzenfreunden, die die Atmosphäre hier so besonders macht.


Vier Zimmer, viel Seele

Im Inneren des Hauses setzt sich die Philosophie fort. Vier individuell gestaltete Gästezimmer verbinden Schwarzwälder Architektur mit britischer Eleganz. Naturmaterialien, warme Holzböden, ausgewählte Stoffe und Antiquitäten schaffen eine Atmosphäre, die zugleich hochwertig und entspannt wirkt. Große Fenster holen das Grün nach drinnen, jedes Zimmer bietet einen eigenen Blick auf Terrassen, Rosen oder Streuobstwiesen.

Die Betreuung ist persönlich und aufmerksam. Thomas bringt seine langjährige Hotelerfahrung ein, Andrew sein feines Gespür für Details. Frühstück wird individuell zubereitet, oft mit regionalen Produkten aus dem Kinzigtal. Statt anonymer Abläufe entstehen Gespräche - über Gartenkunst, Wanderwege oder die Geschichte des Hauses.


Picknick mit Aussicht

Auch Tagesgäste sind willkommen. Wer möchte, kann ein Picknick im Garten buchen. Dann wartet ein liebevoll vorbereiteter Korb mit regionalen Spezialitäten, frischem Brot, hausgemachten Aufstrichen und süßen Kleinigkeiten. Unter alten Obstbäumen oder zwischen Rosenbeeten wird die Decke ausgebreitet, während der Blick über die sanften Hügel des Schwarzwalds schweift. Zeit scheint hier eine andere Qualität zu haben. Gerade dieses Angebot unterstreicht die Haltung der beiden Gastgeber: Exklusivität ohne Distanz. Der Garten soll Rückzugsort sein - aber kein abgeschlossener. Er ist ein Ort, der geteilt wird, der inspiriert und berührt.


Lebenswerk in ständigem Wandel

Der Moosbach Garden ist niemals fertig. Für Thomas und Andrew ist er eine Leinwand, an der sie täglich weiterarbeiten. Ihre Vision ist es, die Magie der englischen „Border-Gärten" mit der rauen Herzlichkeit des Schwarzwalds zu versöhnen. Dass ihnen dies gelungen ist, spürt man in jedem Detail: im sanften Plätschern eines versteckten Brunnens, im perfekten Schnitt der Hecken und in der Gastfreundschaft, die von Herzen kommt. Dieser Ort ist ein Plädoyer für die Langsamkeit und die Schönheit. Er zeigt, dass Mut zur Veränderung und die Rückbesinnung auf handwerkliche Gartenkunst Räume schaffen können, die weit über das Visuelle hinauswirken. Wer den Moosbach Garden besucht, nimmt mehr mit als nur Fotos von Blumen - man nimmt ein Stück jener Ruhe mit, die nur an Orten entsteht, die mit wahrer Leidenschaft beseelt sind. Und vielleicht ist genau das das Geheimnis dieses Ortes - die spürbare Mischung aus Professionalität, Leidenschaft und stiller Schönheit. Ein seltenes und berührendes Paradies mitten im Badner Land.